Eine eigenwillige Liebesgeschichte aus unseren Tagen zwischen der Schülerin Juliane und dem Lehrling Robert. Julianes Elternhaus scheint nach außen intakt, aber hinter Auto und Datsche verbergen sich karrieristische und spießige Ansichten, gegen die sich Robert zur Wehr setzt, bis er eines Tages selbst diese von ihm gehasste Haltung einnimmt.
In der gut lesbaren Erzählung geht es um die Frage von Wertvorstellungen, um Liebe, Geld, Wohlstand, Familie und um Ehrlichkeit. Der Leser wird zum Mit- und Nachdenken herausgefordert.
Das Buch erschien erstmals 1989 beim Postreiter-Verlag Halle.
Das E-Book enthält außerdem die Biografie von Winfried Völlger mit Bibliografie und Foto.
Leseprobe
"Sie zögerte, vielleicht um zu verbergen, dass sie eigentlich nichts dringender wünschte, als hinaus in den Abend gehen zu können. Aber sie hatte auch wirklich Angst vor diesem Weg, den sie sich vorgenommen und vorbereitet hatte. Sie hatte Angst, es könnte bemerkt werden, dass dieser Brief nur ein Vorwand war.
Sie ging, zog die Wohnungstür hinter sich ins Schloss, sprang durchs Treppenhaus hinunter, warf demonstrativ die Haustür und schlich danach in den Keller, um das Klapprad herauszuholen.
Fünf Minuten vor Schichtschluss langte sie am Werktor an, wartete und ließ sich von manchem, der durch die Pforte kam, anpöbeln. Sie wartete, und wartete noch, als der Hof der Maschinenfabrik schon wieder menschenleer war, wartete zwanzig lange Minuten, bis das Blut, welches ihr zunächst vom Radfahren heftig am Hals gepulst hatte, in den Schläfen dröhnte. Dann fuhr sie nach Hause. Die Frage der Mutter, wo sie so lange gewesen sei, beantwortete sie mit Schweigen, und erst, als sie von dem Anruf erfuhr, zeigte sich Aufmerksamkeit in ihrem Gesicht.
Ein sehr netter junger Mann, erklärte die Mutter, der erstaunlich gut erzogen sei, denn er habe sich zuallererst für die späte Störung entschuldigt. Sie nannte seinen Namen. Aber die Frage, wer das sei und woher die Tochter ihn kenne, blieb ihr unvollendet zwischen den Lippen, denn sie hatte die jähe Veränderung im Gesicht ihrer Tochter bemerkt.
"Wann?", fragte Juliane, "wann hat er angerufen?"
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