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Der Lügner und die Bombe (E-Book) Egon Richter
Der Lügner und die Bombe
Vier untypische Liebesgeschichten für Männer

172 Seiten, E-Book (EPub, PDF oder Mobi)
Preis: 8,99 EUR
ISBN: 978-3-86394-291-5

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Wie ist die hochexplosive Bombe in die Fänge des defekten Greifers geraten? Warum ist der Verbrannte schuldig an den Wunden, die ein anderer ihm zufügte? Und weshalb ist der Freund, dessen Sohn als Lügner gilt, nach Ostafrika gegangen? Jede Frage, die•er sich und den Untersuchungsbehörden beantworten muss, stellt Zallmer vor neue Konflikte, deren Lösung nicht erkennbar ist.
An jenemTag, an dem der junge Mann die neue Stadt und die letzte Freundin verlässt, um einer glanzvollen Filmlaufbahn entgegenzueilen, ahnt er nicht, dass er sich nach Zeit und Raum in einem Polizeiwagen wird verantworten müssen.
Werner Federspiels Haus ist leer, sein Herz voller Sorgen. Sein Kopf ist angefüllt mit Fragen. Er kann nicht mehr schlafen, weder mit der Frau noch ohne sie. Und in der Kanzel lauert der Junge, dem er den Platz nicht abtreten will.
In vier Erzählungen stellt der Autor Menschen in ungewöhnlichen Situationen dar, in denen subjektive und objektive Wesenszüge ihres Daseins ungeschminkt zutage treten und die Frage nach dem Sinn und Ziel von Leben und Liebe eine keineswegs leichte eigene Antwort provoziert.
Die Druckausgabe erschien 1979 beim Hinstorff Verlag Rostock.
Das E-Book enthält außerdem die Biografie von Egon Richter mit Foto und Bibliografie und die Übersicht aller E-Books von Egon Richter.


Leseprobe
Nein, ich bin nicht gewalttätig, wie kommen Sie denn darauf, Herr Staatsanwalt?
Ich meine: Dass der Rolli das so selbstlos gemacht hat - also von da an hatte ich was übrig für den, ohne Flax. Und manchmal habe ich ihm sogar bei seinem ganzen FDJ-Zirkus geholfen, obwohl das keinen Fatz einbrachte, höchstens Fähnchen und Wimpel und Zeitungsberichte, die unser Brigadier immer ganz allerliebst nannte und über die sich alles kringelte, bis auf Rolli. Na ja, das war einmal. Ich wollte nur sagen: Irgendwas war an dem komischen Menschen, was mich festhielt - ist blöd ausgedrückt, bloß anders kann man es wirklich nicht sagen. Nicht dass wir unzertrennlich waren, aber wir kamen ganz gut miteinander aus, und in bester Form war Rolli auch nicht immer.
Irgendwann sind wir mal in solchem Beatschuppen gelandet - nein, das ist keine Abschweifung, Herr Staatsanwalt, das gehört einfach dazu. Sie verstehen das sonst nicht, das mit Rolli und mir, und auch mit der Maschine und der Bombe - das gehört alles zusammen, ich weiß nicht, wie ich Ihnen das erklären soll. Ach, doch nicht wegen meiner Verantwortung für den Siebzehn-null-drei. Das hat doch mit meiner Verantwortung nichts zu tun, den hätten die Techniktruppen längst in Ordnung haben müssen, das kann doch keiner wissen, was hinterher herauskommt!
Ja, ein richtiger Beatschuppen. Na ja, nicht so vornehm, verstehen Sie, preiswert, und mit richtigem guten Bier. Rolli kam natürlich gerade wieder von solcher FDJ-Schaffe über ideologische Probleme und so, eifrig und im Blauhemd und mit zukunftsweisendem Blick, und es war klar, dass wir nicht mal einen ordentlichen Witz machen konnten, ohne dass Rolli mit den neuesten Argumenten darauf eingestiegen wäre. Also, wir sitzen ein bisschen blöd da, quatschen von der Band und von der Arbeit, was ich schon überhaupt nicht ausstehen kann, und ich gucke mich um nach ein paar scharfen Miezen, aber das richtige scheint nicht da zu sein. Wir quatschen noch ein bisschen rum und wollen gerade abhauen, da fängt drüben hinter der Band irgendein Streit an. Paar Typen grapschen an einem Mädchen rum, so einer kleinen Zierlichen, und die wollte sich wohl nicht recht in die Bluse fassen lassen, so was gibt's ja. Und bei den Typen... Das war so ein Haufen, ja, wie soll man sagen, die echte Elite der Nation, vorne besabbertes Hosenlätzchen und hinten Jimmy-Hendrix-Etikett, in der Masse die absoluten Kings.
Also, Rolli rüber zu denen, bevor das einer verhindern konnte, und wahrscheinlich aus Mitleid mit der Kleinen. Jedenfalls sagt der doch tatsächlich Jugendfreunde zu denen, Jugendfreunde, sagt der - und weiter kommt er natürlich nicht, weil die sich halb krumm brüllen, und einer greift ihm auch gleich an die FDJ-Montur. So was kann ich nicht leiden, egal ob das Rolli ist oder nicht, aber so was kann ich nicht leiden!
Ich also auch rüber und hinter Rolli. Da sagt einer von den Typen gerade: Was ist denn dein sozialistisches Begehr, mein Kleiner? Und da fängt es bei mir schon an zu kochen. Herrgott nein, ich bin nicht gewalttätig, wie oft soll ich denn das noch sagen; wenn Sie mir nicht glauben, können wir unsere ganze Unterhaltung sowieso einstellen!
Nein, ich habe nichts gemacht, überhaupt nichts, und wenn, Herr Staatsanwalt, wenn - dann wäre es längst verjährt. Und berechtigt wäre es auch gewesen. Aber - nichts. Ich war ganz ruhig, Tatsache. Na, klar hat es gekocht, das bestreite ich gar nicht, aber geblubbert hat es noch nicht und Rolli war auch ganz ruhig. Der sagt jedenfalls, ohne auf die Halbseidenen zu achten und einfach über die Köpfe von denen weg, zu dem Mädchen, das sie da eingekeilt haben: Darf ich Sie zum Tanz bitten?


Aus unserem Antiquariat:

Der Lügner und die Bombe Egon Richter
Der Lügner und die Bombe

204 Seiten, Hardcover
Preis: 6,00 EUR zuzügl. Versandkosten
Hinstorff Verlag Rostock
4. Auflage 1982
guter Zustand

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