Gisela Pekrul: Kalender 2016: Schwerin auf alten und neuen Ansichten

Reizvolle Vergleiche zwischen alten und neuen Schwerin-Ansichten bietet ein jetzt in der EDITION digital herausgegebener Bildkalender für das Jahr 2016. Während auf dem Titelbild natürlich das Schweriner Schloss zum Betrachten der Unterschiede zwischen der Darstellung auf einer historischen Ansichtskarte aus dem Jahre 1910 und auf einer aktuellen Fotografie von heute einlädt, reicht die Auswahl auf den zwölf Monatsblättern vom Schweriner Bahnhof (Januar) und dem Marienplatz (Februar) bis zu Packhof und Paulskirche (November) und zu den Fokkerwerken in der Bornhövedstraße (Dezember).
Kurze Texte zu den jeweils zwei Bildern aus Vergangenheit und Gegenwart weisen die Betrachter auf interessante historische sowie bau- und verkehrsgeschichtliche Details hin. Wer weiß zum Beispiel noch, dass es in Bahnhofsnähe eine 1911 abgebrannte Windmühle gab und dass der heute dort wie selbstverständliche stehende Brunnen „Rettung aus Seenot“ mit den Bronzefiguren von Hugo Berwald erst 1927 vom Markt an diese Stelle verlegt wurde? Oder dass das am 3. Oktober 1886 eingeweihte Hoftheater das erste öffentliche Gebäude mit elektrischer Beleuchtung in Schwerin war und dass sein hauseigenes Kraftwerk damals auch das Schweriner Schloss mit Licht versorgte? Mehr dazu auf dem Kalenderblatt für den März 2016. Und nicht jeder Schweriner wird heute noch wissen, dass der seit der Stadtgründung im Jahre 1160 immer an der selben Stelle gelegene, allerdings mindestens zwei Mal erweiterte Markt seit 1848 der zentrale Einsatzort für Pferdedroschken war. Ebenfalls aus dem Kalenderblatt für April 2016 ist zu erfahren, dass der bereits erwähnte Brunnen „Rettung aus Seenot“ seit 1911 – also im selben Jahr, als die Windmühle in der heutigen Pestalozzistraße abbrannte – ursprünglich auf dem Markt aufgestellt worden war und erst später „aus Platzmangel“ umziehen musste. Und schaut man sich die alte Ansichtskarte einmal etwas genauer an, dann kann man darauf statt der heute am Bahnhofsbrunnen gewohnten wasserspeienden Seelöwen wasserspeiende Schildkröten erkennen. Und tatsächlich soll es diese Schildkröten zumindest für kurze Zeit auf dem Brunnen gegeben haben, bis sie eben durch Seelöwen ersetzt wurden. Unbekannt ist, was der Stifterin des Brunnens, der Witwe des Zigarrenhändlers Mühlenbruch, besser gefiel – Schildkröten oder Seelöwen? Und ob sie mit der ziemlich freizügig bekleideten jungen Frau einverstanden war, die da aus Seenot gerettet wurde. Manche behaupten, Witwe Mühlenbruch sei bei der Einweihung des Brunnens in Ohnmacht gefallen.

Leseprobe

Bahnhof
1847 erhielt Schwerin mit der Eisenbahnstrecke nach Hagenow, der ältesten mecklenburgischen Bahnstrecke, den Anschluss an die Hauptstrecke Berlin - Hamburg. Um die Zufahrt zum Bahnhof zu gewährleisten, entstand auch die Wismarsche Straße, die zu dieser Zeit nur ein Feldweg war. In den Jahren von 1888 bis 1890 wurden die älteren Bahnhofsgebäude durch das heutige Empfangsgebäude ersetzt - einen typischen Repräsentationsbau der Gründerzeit. Die Planung lag in den Händen des Hamburger Reichsbahnoberbaurates Möller. Die Bauausführung leitete Eisenbahndirektor Carl Jacobi. Im südlichen Teil des Gebäudes befanden sich die Empfangsräume des großherzoglichen Hofes, die deshalb Fürstenzimmer genannt wurden. Die Wohnhäuser am nördlichen Grunthalplatz wurden von Demmler gebaut.
Im Hintergrund dieser interessanten Karte ist die 1911 abgebrannte Windmühle in der heutigen Pestalozzistr. 15 zu sehen. Die 1871 errichtete Galerie-Holländermühle war eine achteckige Holzkonstruktion auf einem mit Ziegelsteinen aufgemauerten Untergeschoss. Dieses blieb erhalten und wurde zu einer Wohnung ausgebaut.
Die Straßenbahn der Linie 3 hielt damals übrigens direkt vor dem Bahnhof. Der Brunnen „Rettung aus Seenot“ wurde erst 1927 vom Markt zum Bahnhofsvorplatz verlegt.

 

Gisela Pekrul
Kalender 2016: Schwerin auf alten und neuen Ansichten
Kalender 2016

12 Seiten
Preis: 6,00 EUR
ISBN: 978-3-86394-563-3

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